Von WhatsApp wegkommen - Warum ist das so schwierig?

Seit einer sehr langen Zeit versuche ich jetzt schon von WhatsApp wegzukommen. Grund dafür ist, dass ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und nicht bereit bin meine Freiheit zu opfern, wie es bei einigen Freunden schon Gang und Gebe ist und sogar schon von mir gefordert wird ihr Lifestyle zu übernehmen. 24/7 online und komplett transparent zu sein, ist jedoch nicht wie ich leben möchte. Doch auf diesen Lifestlye möchte ich nicht tiefer eingehen, da ich zu diesem Thema einen gesonderten Artikel schreiben werde. Viel wichtiger ist die Frage, warum es so schwierig ist davon weg zu kommen?

Die bequemen Menschen

Einer der Gründe warum ich nicht wegkomme, sind die „bequemen“ und nichts hinterfragenden Menschen, mit denen ich in Kontakt sein will, auch wenn mir oft danach ist einfach den Kontakt abzubrechen. Und es hat auch nichts mit Kompetenz oder Intelligenz dieser Menschen zu tun, da andere Software evtl. schwerer zu verstehen sein könnte, da ich genug studierte Menschen kenne, ja sogar Leute, die Informatik studiert haben. Es hat eher damit zu tun, dass viele Menschen in den 2020er Jahren jeden kleinsten Umstand oder Widerstand als stark unangenehm empfinden und die wenigen Minuten, die sie investieren müssten, lieber in Unterhaltungsmedien stecken.

So hatte ich in der Vergangenheit schon oft mit unterschiedlichen Leuten versucht auf Alternativen umzusteigen und es scheiterte eben an der Bequemlichkeit der Menschen. Es scheint sogar schon, dass wenn man mehr tun muss als in den konventionellen Appstore zu gehen, einen Installationsknopf zu drücken und die App zu öffnen, die Leute das Interesse verlieren oder schier überfordert sind.

Die Menschen sind mit ihrer Freiheit überfordert

So kam es z.B. mal vor, dass ich mit unterschiedlichen Leuten XMPP/Jabber testen wollte. Einem freien Kommunikationsprotokoll, welches schon seit den 1990ern existiert und seither verbessert wurde. Die ersten Personen scheiterten schon bei der Anmeldung, da XMPP/Jabber ein föderales System ist und man die Freiheit hat, sich einen Anbieter auszusuchen, wo man sich anmelden will. Es also ähnlich, wie mit E-Mails ist und an dieser Stelle werden viele junge Menschen fragen „Was? Aber E-Mails kann man doch nur über GMail schreiben“. Die ernüchternde Antwort ist „Nein!“. Es gibt hunderte, ja sogar tausende, Anbieter weltweit, da das Senden, Empfangen und Verwalten von E-Mails offene Protokolle und Standards sind. Sogar ein Hobby-IT-ler könnte einen E-Mail Server aufsetzen und mit seinen eigenen Domains E-Mails schreiben und empfangen. Das kann von Google weder verhindert noch unter deren Kontrolle gebracht werden und das ist auch gut so, denn ich und andere freiheitsliebende Menschen möchten nicht, dass alle E-Mails durchgelesen/gescannt werden, Profile von uns angelegt werden, wir ständig unter Beobachtung stehen, Daten aus unseren E-Mails verkauft werden oder millionen-schwere Konzerne dadurch noch reicher werden.

Um den Leuten entgegenzukommen, die mit ihrer Freiheit überfordert sind, hatte ich eine kleine Liste mit XMPP/Jabber Servern zusammengestellt, die vertrauenswürdig schienen oder bei denen bekannt war, dass diese aktiv gewartet werden und wichtig war mir noch, dass diese Server in der Nähe stehen. Die Server sollten zumindest im selben Land stehen, da die Kommunikationswege so kürzer sind. Sofern die Menschen es also geschafft hatten sich für einen Anbieter zu entscheiden oder die Entscheidung einfach mir überlassen wurde (manche Leute können mit ihrer Freiheit wirklich nichts anfangen), kam auch schon die nächste Hürde.

Da XMPP/Jabber ein freies Protokoll ist, kann auch jeder Softwareentwickler einen eigenen Klienten entwickeln (ein Klient ist in diesem Fall eine Software oder App, mit der man XMPP/Jabber verwenden kann). Man hat also die Freiheit nicht nur einen bestimmten Klienten, wie es z.B. bei WhatsApp der Fall ist (nämlich nur den von WhatsApp), zu verwenden, sondern kann frei entscheiden, welchen man benutzen möchte. Das macht natürlich Sinn, da man nicht jedes Feature braucht oder einem eine Software aus unterschiedlichen Gründen nicht passen könnte. Genau aus solchen Beweggründen opfern Softwareentwickler auch ihre Freizeit, um solche Software zu programmieren und sie frei zur Verfügung zu stellen. Solch eine Software wird auch oft Open Source Software genannt, da der Programmierer den Programmcode frei zur Verfügung steht, die Software also auch kostenlos verwendet werden kann. Ein Jammer, dass bei diesem Schritt wieder viele Menschen mit ihrer Freiheit überfordert sind.

Immer Probleme mit Apple!

Fast immer wenn es einen offenen oder Industriestandard gibt, der sich auch gut verbreitet und angenommen wird, stellt sich Apple (und oft auch Microsoft) quer. Sie erinnern an pubertäre Teenager, die vermeintlich alles besser wissen und sich nichts von ihren Eltern sagen lassen, auch wenn es Fakten sind, diese aus Erfahrung die besseren Entscheidungen treffen und rein rational der bessere Weg wäre. Aber nein! So nicht! Warum sollte man Industriestandards, akzeptierte Technologien und gut funktionierende Methoden annehmen, wenn man es doch komplett anders machen kann?

Ein gutes Beispiel ist das einfache Übertragen von Dateien zwischen zwei Geräten, die im selben Raum sind. Ich habe mal versucht von meinem Android Smartphone ein Bild an eine Person zu schicken, die im selben Raum wie ich war. Das war nicht möglich, weil die Person ein iPhone besaß. Man muss wirklich nicht Informatik studiert haben, um Bluetooth zu aktivieren, eine Datei auszuwählen und zu versenden. Doch es war schier unmöglich! Apple möchte das nicht, denn diese haben AirDrop. Eine proprietäre Software, die exklusiv mit Apple Geräten funktioniert und nicht mal Bluetooth benutzt. Den Weg den wir gehen mussten, war dann, das Bild einmal um den ganzen Planeten zu schicken und es durch die Hände datengieriger Firmen laufen zu lassen, damit es wieder zu dem Gerät der Person findet, die wenige Zentimeter von mir entfernt stand. Also über einen weltbekannten Messenger, den ich eigentlich los bekommen wollte: WhatsApp. Doch wie heißt es so schön bei Apple: „Think Different“.

Dies ist nicht der einzige Fall von Apple. Ich könnte einen ganzen Blogartikel darüber verfassen, wie Apple seit den 1980ern nicht mehr innovativ sein möchte, was alles schief geht, warum sogar die Wirtschaft ausgebremst wird, warum die Umwelt darunter leidet, warum die Geräte bei der Veröffentlichung schon technisch überholt sind und warum Leute für veraltete Technologie und geplant sich selbst zerstörende Geräte trotzdem erstaunlich mehr Geld ausgeben, als für Konkurrenzprodukte. Doch hier soll es erstmal nur um möglichst freie Messenger gehen, bei denen man nicht ausspioniert wird.

Aber ihr ahnt es vermutlich schon. Wir haben versucht Jabber/XMPP Apps für iPhone zu finden und die einzigen die wir gefunden hatten, waren veraltet oder funktionierten nicht richtig oder waren sogar kommerziell. Da war es klar, dass schnell die Geduld verloren ging und die Person wieder zu WhatsApp wechselte. Jabber/XMPP ist kein Nischenprodukt und ist schon seit über 20 Jahren auf dem Markt und für verschiedene Plattformen, wie Linux, BSD, Solaris und sogar für solche wilden Exoten wie Windows verfügbar.

Ich habe noch nie für Apple Produkte Software entwickelt und werde es vermutlich auch nie tun, doch von anderen Entwicklern habe ich mitbekommen, dass die Softwareentwicklung auf iPhone eher ein Hindernisparcours als eine erfreuliche Wandertour ist. Was den Mangel an vielen guten iPhone Apps erklären könnte.

Unkonventionelles Verhalten schreckt ab

Als ich die Software DeltaChat entdeckte, sah ich ein großes Potenzial darin, dass es die bequemen und freiheitsüberfordernden Leute annehmen. Denn das Konzept ist genial! Es basiert auf E-Mails und verschlüsselt die Nachrichten sogar automatisch, doch bietet es eine Oberfläche wie man sie von modernen Instant Messengern kennt (wie z.B. WhatsApp). Alles was man tun muss, ist, seine Logindaten für ein E-Mail Postfach einzugeben, die E-Mail-Adresse des Empfängers einzutragen und eine Nachricht zu schreiben, einen Betreff und eine Einrichtung von Schlüsselpaaren für die Verschlüsselung braucht es nicht. Und schon hat man einen verschlüsselten Chat und man muss nur noch, wie gewohnt, auf das Gesicht vom Kontakt drücken und kann lostippen. Keine Adresse und kein Betreff muss mehr eingegeben werden. Im Grunde macht DeltaChat nichts anderes als WhatsApp nachzuahmen, nur dass es auf einem altem und föderalem System basiert, der E-Mail.

Für DeltaChat empfehle ich auch jedem ein neues E-Mail-Postfach einzurichten, das ausschließlich für DeltaChat verwendet wird und es gibt viele Vereine und wohltätige Organisationen, die sich Datenschutz auf die Fahne geschrieben haben und freie E-Mail-Postfächer auf Spendenbasis anbieten.

Da es Leute gibt, die sich nicht an meine Empfehlung halten, weil „Ich habe doch schon ein E-Mail Postfach bei Google. Warum sollte ich auf jemandem hören, der das studiert hat und sich schon mit der Software auseinandergesetzt hat, wenn ich es doch besser weiß?“ und dann natürlich Probleme entstehen. Ein großes Problem war dann, dass die GMail App sich ununterbrochen bei jeder E-Mail gemeldet hatte und da jede Nachricht im Chat eine E-Mail ist, das sehr oft passiert. Und dazu kommt noch, dass DeltaChat verschlüsselte E-Mails versendet, die in GMail nicht gelesen werden können. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass das eine sehr gute Sache ist, da hier einige Leute vermutlich schon abgeschreckt wurden, weil „Hilfe! Ich kann etwas nicht lesen, ich gehe lieber zurück zu WhatsApp“. Nachrichten, die mit DeltaChat an eine Person geschrieben wurden, sind nur für diese Person über DeltaChat einsehbar, da die Nachrichten verschlüsselt wurden und der Schlüssel nur der DeltaChat Software bekannt ist und nicht Google. Sofern man GMail dafür benutzt, kann Google also nur Metadaten abgreifen, jedoch keinen Inhalt mehr aus den E-Mails lesen (Dies ist eine gute Sache!). Aus Metadaten kann man jedoch schon sehr viel erfahren, daher empfehle ich dringlichst wenig bis keine Metadaten einem Datensammler zur Verfügung zu stellen. Und auch wenn ich mich wiederhole. Benutzt bitte ein anderes E-Mail Postfach und nicht das von Google.

Eine andere Sache, die Menschen abgeschreckt hatte, war ein QR-Code zur Verifizierung der Schlüssel beim Schweizer Messenger Threema. Threema verschlüsselt Nachrichten Ende-zu-Ende, d.h. dass nur der Sender und der Empfänger einer Nachricht, diese auch lesen können, sonst keiner, nicht Google oder Apple oder der Betreiber dieser App, wirklich (fast) niemand. Ich sage fast, da es noch eine winzige Wahrscheinlichkeit geben könnte, dass ein Angreifer die Schlüssel unterwegs ausgetauscht hat, was z.B. bei Autocrypt passieren könnte, wie es z.B. auch DeltaChat verwendet. Also der Sender sendet verschlüsselt eine Nachricht die beim Angreifer ankommt, die er entschlüsseln kann, diese verschlüsselt er wieder mit seinen eigenen Schlüsseln und schickt die Nachricht an den Empfänger weiter. Sender und Empfänger denken so, dass sie eine verschlüsselte Nachricht versendet, bzw. empfangen haben, die sonst keiner lesen kann. Dies nennt man eine Man-in-the-Middle-Attacke. Ein effektiver Schutz dagegen ist, dass falls sich Sender und Empfänger im echten Leben sehen, die Schlüssel verifizieren können. Und das funktioniert mit QR-Codes ziemlich gut. So werden also die sogenannten Fingerabdrücke der Schlüssel verglichen und da diese einzigartig sind, müssen diese beim Sender und Empfänger übereinstimmen. Stimmen die Fingerabdrücke nicht überein, wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schlüssel ausgetauscht und ich würde empfehlen nicht mehr über diese Leitung Daten auszutauschen.

Was kann also an einer Verifizierung abschrecken? Als ich diesen Prozess bei jemandem durchführte, fühlte sich diese Person sichtbar unwohl dabei. Er dachte, dass ich private Daten abfotografiere oder ähnliches. Die selbe Person, die zum Tatzeitpunkt mindestens eine handvoll Apps von Firmen auf dem Smartphone installiert hatte, die kein Geheimnis daraus machen private Daten zu sammeln, zu verarbeiten und zu verkaufen. Und kaum taucht ein Mensch in seinem Leben auf, dem Datenschutz sehr wichtig ist, ihm auch noch hilft seine Daten sicher zu verschlüsseln und dieser Person steht er dann skeptisch gegenüber? Ernsthaft?

Bugs und Macken schrecken auch ab

Bei Alternativen zu WhatsApp finden sich auch oft Hobbyprojekte, die von Softwareentwicklern in der Freizeit entwickelt wurden. Oft wird der Quellcode der Software veröffentlicht (Open Source), da sich so sehr gut weitere freie Entwickler finden lassen, die Interesse am Projekt haben und dieses weiterentwickeln möchten. Dies steht nicht im Verhältnis zu millionenschwerer Unternehmen, die duzende Softwareentwickler, User-Interface-Entwickler, Grafiker, Tester, Berater, Psychologen etc. in Vollzeit eingestellt haben, die Software mit vielen Features entwickeln können, die auch noch benutzerfreundlich ist, gut aussieht und psychologische Tricks anwendet, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Für mich ist es oft schier erstaunlich wie ein Mensch (oder wenige) in seiner beschränkten Freizeit eine tolle Software entwickeln kann, die auch noch halbwegs gut benutzt werden kann. Wenn ich beim Benutzen einen Bug finde, dann melde ich diesen dem Entwickler, da er nur etwas fixen kann, von dessen Existenz er weiß. Und wenn ich eine Software gefunden habe, die mir sogar sehr gut gefällt und der Entwickler eine Spendenoption zur Verfügung gestellt hat, dann spende ich auch manchmal einen kleinen Betrag. Dies steht natürlich auch nicht im Verhältnis zu einem Gehalt von einem Softwareentwickler, doch es zeigt meine Wertschätzung. Und auch mal eine E-Mail mit motivierenden Worten kann einem Softwareentwickler helfen dran zu bleiben und die Software zu verbessern (zumindest mir würde es helfen), den dieser hat auch nicht eine ganze Palette an Spionagewerkzeugen, die ihm sagen könnten, wie viele Leute jetzt gerade seine Software verwenden, was und mit wem die Benutzer schreiben, wie lange sie die Software pro Tag verwenden etc.

Andere Menschen reagieren da komplett anders. Wenn eine App abstürzt, ein Menüpunkt schlecht erreichbar ist, ein gewünschtes Verhalten nicht sofort umgesetzt werden kann oder sonst ein kleiner Widerstand aufkommt, werden einige Menschen sehr schnell nervös oder sogar aggressiv. Anstatt dem Softwareentwickler mit seiner beschränkten Zeit konstruktives Feedback zu geben, wird die App gelöscht oder am besten noch schlecht bewertet, wenn diese im konventionellen App-Store geladen wurde. Was ich persönlich für eine absolute Respektlosigkeit empfinde. Solche Leute gehen wohl auch zum nächsten Straßenmusiker und beschimpfen diesen, warum seine Musik sich nicht wie die der millionen-schweren Popstars aus den Top 10 Billboard Charts anhört, diesem gegen das Schienbein treten und dann total empört davon gehen.

WhatsApp verändert Verhaltensweisen

Als ich frisches Mitglied in einem Kickboxverein war, kam bei den Gesprächen immer wieder der Ausdruck „Das steht im Chat!“, egal ob es um Terminverschiebung, ein internes Event oder sonstwas ging. Nach einiger Zeit fragte ich den Trainer wie ich denn an diesen Chat ran komme, da ich gerade auf der Vereins-Webseite mit meinem „googlefreien“ Smartphone surfte (Für eine Zeit lang hatte ich tatsächlich ein googlefreies Smartphone). Daraufhin sagte er, dass der Chat bei WhatsApp sei. In dem Moment habe ich mich einfach nur gefragt ob das datenschutztechnisch überhaupt möglich sei so etwas in einem Verein anzubieten und war gleichzeitig entsetzt darüber und habe ihn dann aufgeklärt, dass ich kein WhatsApp besitze. An seinem Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass er mich ab diesem Zeitpunkt für einen Steinzeitmenschen oder eine Art Amischen abstempelte und er dann nach meinem Smartphone greifen wollte und mit falscher Bescheidenheit sagte „Komm! Ich installiere es dir schnell“. Als ich ihm dann sagte, dass ich das nicht will, verstand er die Welt nicht mehr. Im Nachhinein hätte ich ihn jedoch einfach machen lassen sollen, denn sein Gesicht hätte ich gerne gesehen, wenn er versucht hätte eine App auf einem Android zu installieren, das überhaupt keinen Play Store enthält.

Auch beim Daten gab es Situationen die wegen WhatsApp anders sind. So tauschte ich die Telefonnummern mit einer bildhübschen Frau aus, die ich auf einer Silvesterparty kennengelernt hatte. Wir tanzten, hatten Spaß und ich wollte sie auf jeden Fall wieder sehen. Zwei Tage danach habe ich sie angerufen und ihr war merkbar unwohl dabei, obwohl ich derjenige war, der allen Mut zusammen gefasst hatte, um den Anruf zu tätigen. Für mich kostet das sehr viel Überwindung, da ich eigentlich ein sehr schüchterner Mann bin und ich schon beim Ansprechen dieser Frau weiche Knie bekommen hatte. Über WhatsApp hätten wir vermutlich über Wochen hinweg uns sehr langsam angenähert und mit einfachen Telefonaten ging alles um einiges schneller, da wir kurz danach auch schon unser erstes Date hatten. Aber sie dachte, dass ich ihr eine falsche Nummer gegeben hatte, weil sie mich nicht bei WhatsApp finden konnte, evtl. hat mich das sogar noch attraktiver gemacht, als ich sie dann überraschend angerufen hatte.

Auf meiner unvollendeten Weltreise habe ich sehr viele tolle Menschen kennengelernt, doch wirklich fast alle benutzen WhatsApp. Nur ein paar Apple-Fanboys/-girls waren strikt gegen WhatsApp und waren nur über Facetime erreichbar, was für mich keinen Sinn macht, weder datenschutztechnisch noch logisch, denn Facetime ist wieder eine proprietäre Software, die es nur für Apple Geräte gibt und man so eigentlich schon aussagt, dass man nicht an einer Kommunikation interessiert ist, wenn man nicht dem selben Kult folgt. Und im asiatischen Raum sind eher andere Messenger weit verbreitet, da Facebook & Co. in manchen Ländern verboten sind und deren Software zensiert wird. Ohne WhatsApp hätte ich niemals so viel mit unterschiedlichen Menschen zu tun gehabt, wie ich es hatte und das stimmt mich sehr traurig. Grund dafür ist, dass sich wohl niemand die Mühe gemacht hätte mich z.B. per E-Mail anzuschreiben oder mich sogar kurz anzurufen, wenn man sich mit der frisch zusammengewürfelten Gruppe treffen möchte. Und der Grund wäre auch nicht, dass ich vielleicht unangenehm wäre, es liegt eher an dem schon genannten Problem, die „Bequemlichkeit“.

Warum nicht gleich normale E-Mails?

Diese Erfindung ist sogar älter als das World Wide Web ansich, wird ständig weiterentwickelt und hat trotzdem einige Mängel. Doch das Problem ist, wie sich die Benutzung von E-Mails der Leute verändert hat. Anfangs gab es nur bestimmte Programme (E-Mail Klienten) mit denen man E-Mails versenden, empfangen und verwalten konnte. Dies wurde dann in den 1990ern von Freemail-Anbietern über Webseiten verfügbar gemacht und es verbreitete sich so schnell, dass von vielen Menschen das Schreiben von E-Mails über einem Browser als normal und über einen speziellen Klienten, wie z.B. Thunderbird oder K9-Mail, als exotisch oder sogar schon nerdig angesehen wurde. Dieser Trend wurde dann tatsächlich von Google gebrochen, doch dies auch nur, weil die Leute dazu genötigt werden einen Google-Konto zu besitzen und sich die Dienste, wie GMail, automatisch auf Smartphones einrichten. Ich kenne keinen Menschen der sich proaktiv einen E-Mail Klienten aufs Smartphone installiert und diesen auch benutzt.

Und das ist schon das erste Problem. Freemail-Anbieter finanzieren sich über Werbung. Anfangs noch durch einfache Einblendung von Werbebannern und Texten, doch heute ist es schon an der Tagesordnung, dass komplette E-Mails automatisch gescannt, Anhänge geöffnet, Daten gesammelt, verarbeitet und verkauft werden. Die Daten helfen nicht nur dabei Werbung zielgerichtet den Leuten anzuzeigen, Daten sind auch für weitere Firmen und sogar Kriminelle sehr interessant. Es gibt also viel mehr Interessensgruppen und demnach auch viel mehr Geld für die Firma, die deine Daten verkauft.

Mit diesem Geschäftsmodell haben die Freemail-Anbietet komplett „vergessen“ eine Verschlüsselung für die Kommunikation ihrer Kunden zu implementieren, denn verschlüsselte Daten sind sinnlose Daten. Zumindest wären diese für den nutzlos, dem der Inhalt der Kommunikation nichts angeht, doch die Daten verkaufen möchte.

Versucht man also Verschlüsselung für E-Mails bei einer Gruppe von Menschen einzuführen, die unterschiedliche E-Mail Klienten verwenden (Browser am PC, App im Smartphone, Fernseher, Kühlschrank und was die Leute sonst noch für Geräte benutzen, um E-Mails zu schreiben), wird man nicht weit kommen, da niemand weiß wie das funktioniert, da dieses Feature einfach fehlt. Und der Versuch jemandem dazu zu bringen auf einen guten E-Mail Klienten umzusteigen, der Verschlüsselung beherrscht ist ungefähr so unmöglich, wie jemandem davon zu überzeugen die kurze Strecke zur Arbeit mit dem Fahrrad zu fahren mit dem Zusatz, dass es um einiges gesünder sei, wenn diese Person dies schon seit Jahren mit dem Auto macht und merklich an Gewicht zugenommen hat.

Das wichtigste an einer privaten Konversation fällt also weg, nämlich das private. Ohne eine richtige Verschlüsselung kann man sich in den 2020ern sehr sicher sein, dass eine Unterhaltung nicht privat ist.

Jedoch über diesen Mangel weggeschaut wollte ich trotzdem versuchen mit ein paar Freunden über E-Mail zu kommunizieren. Es scheiterte jedoch an einfachen Bedienelementen.

Um auf eine E-Mail zu antworten, drückt man auf den Knopf mit der Aufschrift „Antworten“, möchte man diese weiterleiten, dann auf „Weiterleiten“ und möchte man in einer Konversation an denen mehrere Leute teilnehmen, auch allen antworten, drückt man auf „Allen antworten“. Das ist selbstverständlich und viele fragen sich jetzt wohl, warum ich das so detailliert erkläre. Doch genau daran scheiterte die Gruppenkommunikation.

Es passierte nicht selten, dass nur ich eine Antwort bekommen habe und andere Gruppenteilnehmer nichts davon wussten. Ich musste dann also die Nachricht an die weiteren Teilnehmer weiterleiten und durfte auch nicht vergessen den Absender mit auf die Empfängerliste hinzuzufügen, da falls jemand wieder auf „Allen antworten“ drückt, auch wirklich alle diese Nachricht erhalten. Und selbst wenn ich mehrmals den Absender darauf hingewiesen habe, dass er auf „Allen antworten“ drücken soll, wenn er allen antworten möchte, es dann doch noch manchmal passierte, dass ich der einzige Empfänger war. Und ich gehe auch davon aus, dass andere Teilnehmer die einzigen Empfänger von einigen Nachrichten gewesen sein könnten, weil immer nur der letzte Absender einer Nachricht bei „Antworten“ die Nachricht erhält und wenn diese Empfänger nicht bemerkt haben, dass sie der einzige Empfänger waren und nicht proaktiv diesen fahrlässigen Fehler des Kollegen korrigiert und die Nachricht an alle Teilnehmer weitergeleitet haben, andere Teilnehmer davon auch nichts mitbekamen.

Eine private Gruppenunterhaltung über E-Mail verlief durch grobe Fahrlässigkeit leider sehr schnell ins Chaos und irgendwann muss man den Leuten auch Ignoranz vorwerfen, wenn diese trotz mehrmaligem Hinweis auf einen Fehler, dies ignorieren und weiterhin den Fehler machen. Oder die Leute machen es mit Absicht, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man ein und den selben Fehler unbeabsichtigt mehrmals machen sollte.

Fazit

  • Die bekanntesten Messenger auf unserem Planeten werden von millionen-schweren Organisationen betreut und auch so entwickelt, dass keinerlei Widerstand bei der Einrichtung oder Nutzung aufkommt und die Aufmerksamkeit immer wieder auf diese Messenger gelenkt wird.
  • Menschen wurden auf ein bestimmtes Verhalten konditioniert. Muss eine Software anders bedient werden, gilt das schon als unangenehm, selbst wenn es objektiv gesehen einen besseren Weg gäbe. Doch ist oft auch nicht die Courage vorhanden etwas Neues auszuprobieren, außer man erwähnt explizit, dass es etwas Neues ist und die Leute darauf hinweist eben nicht die alten Gewohnheiten anzuwenden.
  • Die Mehrheit hinterfragt leider nicht, wie eine vermeintlich kostenlose App Millionen von Dollar einbringen kann?
  • Ein Messenger der von einem oder wenigen Hobby-Entwicklern in ihrer Freizeit entwickelt wird, wird nicht wertgeschätzt und kann auch nicht mit Messengern konkurrieren, die 7-stellige jährliche Entwicklungskosten haben, da die Menschen darauf konditioniert wurden, dass Software keine „Probleme“ verursacht, da diese Menschen mittlerweile wohl auch nicht mehr mit Problemen umgehen können.
  • Einen großen Erfolg beim Umstieg hatte ich, wenn ich die Menschen nicht mit ihrer Freiheit konfrontiere sondern an die Hand nehme und nicht mal versuche die Sachen tiefer zu erklären sondern nur zu einem Punkt erkläre, bis es funktioniert. Viele Menschen verfolgen eine „Hauptsache es funktioniert“-Mentalität, was katastrophal in meinen Augen ist.
  • Den größten Erfolg für einen Umstieg verspreche ich mir, wenn es eine App gibt, die tatsächlich sicher ist, jedoch genauso bedienbar ist, wie WhatsApp. Und dafür stehen noch einige Messenger auf der Liste, die getestet werden müssen.

Ich habe noch längst nicht alle Messenger getestet, die meinen Anforderungen gerecht werden und auch wenn ich schon viel mehr Messenger getestet habe, die ich hier noch gar nicht erwähnt hatte, sagt das noch nichts über diese aus und ich kann auch noch keine endgültige Empfehlung aussprechen. Die erwähnten Technologien waren nur die, die in der jeweiligen Situation getestet wurden und sagt ebenfalls nichts über deren Tauglichkeit aus. Doch bin ich auf jeden Fall sehr motiviert den richtigen Messenger zu finden und eine Artikelserie darüber zu schreiben und vielleicht komme ich dem utopischen Ziel etwas näher, dass die Menschen eher zu einer freien und privaten Kommunikation neigen, als sich von unsichtbaren Giganten komplett durchleuchten zu lassen.