Instant Messenger Anforderungen

Seit Jahrzehnten werden Daten als das neue Gold angesehen. Edward Snowden brachte es 2013 an die Öffentlichkeit, dass die Menschen von Geheimdiensten im großen Stil ausspioniert werden, die nicht mal kriminell sind, was sein eigenes Leben in Gefahr brachte. Große Konzerne wie Facebook und Amazon rutschen von einem Datenskandal in den anderen. Doch die meisten Menschen reagieren auf solch schockierende Nachrichten, wie sie auf Nachrichten in ihren sozialen Netzwerken reagieren. Sie scheinen für negative Nachrichten einfach nicht empfänglich zu sein, empfinden diese als unangenehm, ignorieren diese und wischen einfach weiter, bis wieder eine erfreuliche Nachricht oder ein Bild/Video von einem Tierbaby kommt, die Sache innerhalb von Sekunden wieder vergessen wird und somit wieder alles gut ist. Spoiler-Alarm: Nein, ist es nicht!

Ebenfalls verbraucht das Internet seit Jahrzehnten kontinuierlich mehr Energie und die Prognosen sehen schlecht aus, dass sich das in den nächsten Jahrzehnten ändern wird, denn das Übertragen, Speichern und Verwalten von Daten ist sehr energielastig und dann kommt es auch noch darauf an, wie die Daten Übermittelt werden, doch dazu folgt noch ein detaillierterer Blogartikel.

Die Lage hört sich so an als ob wir in George Orwells Roman 1984 leben, der übrigens im Jahr 1946 geschrieben wurde. Wir leben jedoch in den 2020ern und so traurig die geschilderte Situation auch ist, heißt das nicht, dass wir tatenlos zusehen müssen, wie unser Leben von Großkonzernen gesteuert wird oder noch schlimmer, von Menschen, die die Kontrolle über ihr Leben komplett an Großkonzerne abgegeben haben und verlangen, dass wir ihr Lebensstil adaptieren.

Um dem entgegenzuwirken, möchte ich da ansetzen, wo die meisten und sensibelsten Daten erzeugt werden und einen Rattenschwanz bezüglich CO2-Emissionen mit sich zieht, nämlich bei der täglichen Kommunikation.

Unter diesen Aspekten möchte ich Anforderungen an Instant Messenger festlegen.

1. Private Nachrichten

Ein Instant Messenger soll genau das machen, was man von ihm erwartet: Gesendete Nachrichten an den Empfänger übertragen.

Diese Anforderung als ersten Punkt bei einem Instant Messenger anzuführen, scheint wohl sehr paradox. Doch was viele Instant Messenger heutzutage gemeinsam haben, ist, dass die Unterhaltungen nicht wirklich privat sind und vielleicht wurde deshalb PM (private message) durch DM (direct message) ersetzt, da sogar die Firmen den Begriff „privat“ zu absurd fanden.

Wenn ich mit jemandem eine private Unterhaltung führe, dann möchte ich, dass diese Unterhaltung auch wirklich zwischen uns bleibt. Große Konzerne, die sich in die Konversationen reinhängen, um Daten zu sammeln und sich daran zu bereichern, ist nicht Teil von einer privaten Konversation und es ist absolut absurd dass dies von vielen Menschen geduldet oder mittlerweile sogar als normal angesehen wird.

Eine Verschlüsselung muss vorhanden und nachvollziehbar sein und die Schlüssel müssen natürlich nur der Person zur Verfügung stehen, von der die verschlüsselte Nachricht stammt. Ein Unternehmen das Millionenumsätze im Jahr durch sein einziges Businessmodell, nämlich dem Ausschlachten und Verkaufen von Daten, erzielt, kann man nicht trauen, wenn dieser sagt „Deine Daten sind bei uns sicher“. Oder würdest du solchen Leuten deinen Wohnungsschlüssel anvertrauen?*

Lässt man es zu, dass Daten gesammelt werden, schadet das der Umwelt enorm. Hier ein vereinfachtes Beispiel mit datensammelnden Firmen: Bei diesem Prozess müssen Daten gesammelt werden, sei es auf den Endgeräten der Benutzer direkt oder in den Serverräumen der Firmen. Wenn diese Daten gesammelt wurden, werden diese ausgewertet. Dafür braucht es Rechner mit hoher Leistung, in einigen Fällen werden sogar künstliche Intelligenzen eingesetzt, um eine effiziente Verarbeitung und Speicherung umzusetzen, denn es geht bei vielen Firmen um zig Millionen Datensätze pro Stunde. Künstliche Intelligenzen brauchen jedoch schon bei sehr leichten Aufgaben unvorstellbar viel Energie.

Sind die Daten aufbereitet, werden diese zum Verkauf angeboten. Dort kann jeder - Ja, auch Kriminelle - diese Daten erwerben. Diese Datensätze landen dann auf Datenbanken bei anderen Firmen, um gröbere Analysen zu machen, so wird sich z.B. eine Firma für Krankenversicherungen dafür interessieren, ob seine Kunden ihr Leben durch Extremsportarten gefährden oder ob diese Personen oft mit Alkoholflaschen und Zigarette auf Bildern von Sozialen Netzwerken auftauchen, was dann natürlich zur Folge hat, dass die Beiträge dieser Personen steigen. Also wird bei jedem Verkauf von Daten nochmal Energie verschwendet, eine Datenbank mit diesen Daten angelegt, Energie für gröbere Datenanalysen verbraucht etc. Und das war nur eines der Beispiele, wo die Daten landen und wieder Energie verschwendet wird.

Spielt man einem Datensammler regelmässig Daten zu, hat dies immer zur Folge, dass es einen Dominoeffekt bezüglich energieverschwendenden Aufgaben auslöst.

Macht also der Instant Messenger nur das was man von ihm erwartet, könnte das den eigenen ökologischen Fingerabdruck sehr stark reduzieren und den eigenen Geldbeutel verschonen und sogar die eigene Zukunft oder der seiner Kinder schützen.

Eine Sache die das Vertrauen in die Software stärkt, wäre, wenn der Programmcode zur Verfügung steht. Das nennt man Open Source Software und Softwareentwickler könnten nachvollziehen was die Software wirklich macht.

2. Mehrere Geräte & Betriebssysteme

Um effizient kommunizieren zu können, sollte ein Instant Messenger auf mehreren Geräten lauffähig sein. Die meisten Menschen verwenden Smartphones für die Kommunikation, ich bevorzuge es jedoch, dass mein Smartphone die meiste Zeit des Tages ausgeschaltet ist (und bleibt) und ich an meinem PC (mit Linux als Betriebssystem) schreiben kann. Es ist um einiges schneller, wenn ich innerhalb von Sekunden auf einer richtigen Tastatur eine Nachricht schreiben und abschicken kann, da ich das 10-Finger-System beherrsche, anstatt auf einer sehr kleinen Touchscreen-Tastatur mühsam alle Wörter zusammen zu tragen.

Ein anderer Grund ist natürlich, dass der Instant Messenger nicht nur auf einem bestimmten Gerät, wie z.B. einem iPhone, beschränkt sein sollte, da so schon die Kommunikation von freiheitsliebenden Menschen ausgeschlossen wird.

3. Keine Rufnummernpflicht

Instant Messenger gibt es schon seit ca. 30 Jahren und selten bestand eine Notwendigkeit eine Telefonnummer dafür zu benutzen. Auch heutzutage besteht in den meisten Fällen gar keine Notwendigkeit für eine Telefonnummer. Zum Beispiel benutzt WhatsApp für seine Kommunikationswege das Internet, welches komplett ohne Mobilfunknetz funktionieren kann. Die meistverbreiteten Messenger gehören jedoch großen datensammelnden Firmen an, die natürlich ein großes Interesse haben dich so genau wie möglich zu identifizieren, damit auch alle gesammelten Daten einer reellen Person zugeordnet werden können. Da es aktuell nicht mehr so leicht möglich ist eine Telefonnummer zu erhalten, ohne seine Identität zu bestätigen, ist dies natürlich für Datensammler ein gefundenes Fressen.

Eine E-Mail Adresse wäre besser für einen Instant Messenger. Ein E-Mail Postfach bei einem vertrauenswürdigen Anbieter hat man innerhalb von wenigen Minuten eingerichtet und kann dann für Mechanismen, wie z.B. Passwortwiederherstellung, benutzt werden. Doch selbst eine E-Mail Adresse ist rein technisch gesehen nicht nötig für einen Instant Messanger.

4. Einfache Löschung seiner Daten

Bei der täglichen Kommunikation sind über 99% der Daten Datenmüll ab dem Zeitpunkt ab dem sie gelesen wurden. Das würde also heißen, dass die Energie, die für das Speichern, Übertragen und das 24 Stunden am Tag zur Verfügung stellen alter Daten, komplett unnötig ist.

Eine einfache Lösung wäre, wenn der Instant Messenger ein Feature zur Verfügung stellt, das Daten, welche ein bestimmtes Alter erreichen, automatisch löscht. Denn seien wir mal ehrlich, Chatnachrichten die älter als eine Woche sind, lesen wir sehr selten und wann lesen wir schon Chatnachrichten, die älter als ein Monat alt sind? Eben, nie! Außer es ist natürlich der Chat von unserer neuen Liebe. Aber das ist ja nur eine Ausnahmen und rechtfertigt das Aufrechterhalten des Problems nicht.

Vorsicht ist bei datensammelnden Firmen geboten! Nur weil man etwas als „gelöscht“ markiert, heißt es nicht, dass es gelöscht wurde. Wenn solche Firmen dir Software zur Verfügung stellen, dann aus dem Grund, Geld daraus zu machen und das können Sie nur mit deinen Daten. Ein „Löschen“-Knopf löscht im Interesse der Firma nichts, sondern blendet es nur für dich aus, einfach damit du dich besser fühlst. Die Daten existieren jedoch weiterhin, werden weiter verarbeitet und brauchen weiterhin Strom und Treibhausgase werden unnötig erzeugt. Daher ist es sehr wichtig, dass der Instant Messenger nicht von solchen Firmen stammt und auch keine Technologien von diesen eingebaut wurden.

Das regelmässige/automatische Löschen alter und unnötiger Daten kann die IT-Infrastruktur stark entlasten und den ökologischen Fußabdruck ebenfalls stark reduzieren.

Mit diesen Anforderungen kann ich herausfinden, welche Instant-Messenger überhaupt in Frage kommen.

* Beim Korrekturlesen kam mir in den Sinn, dass es schon sehr viele Menschen gibt, die ihre komplette Wohnung „smart“ ausgestattet haben. In jedem Raum gibt es Mikrofone, Kameras und zig Sensoren von datensammelnden Firmen und man müsste z.B. nur den Namen Alexa rufen, um diese Wanzen ausfindig zu machen. In solchen Fällen ist es gar nicht mehr nötig darüber zu reden, ob man solchen Firmen seinen Wohnungsschlüssel anvertrauen könnte, denn diese Firmen sind in diesem Fall schon in deiner Wohnung eingenistet, die dich 24 Stunden am Tag überwachen. Das macht das Beispiel mit dem Wohnungsschlüssel unbrauchbar und ich befürchte, dass viele Menschen diese Analogie überhaupt nicht mehr verstehen.