Vegantag: Besser als Geburtstag

Eines meiner wichtigsten Tage meines Lebens ist der 14. November 2017. An diesem Tag wurde ich vegan. Mein Vegantag feiere ich inzwischen mehr als meinen Geburtstag. Wenn ich das sage, schauen mich viele Menschen skeptisch an oder schmunzeln. Doch ich meine es ernst. Ich erkläre gerne, warum.

Warum feiern wir Geburtstage?

Seit unserer Kindheit an kennen wir mindestens zwei Tage im Jahr an denen es Geschenke gibt. An unserem Geburtstag und an Weihnachten. Doch so richtig verstehen können wir das nicht und so wirklich erklärt hat es uns auch niemand.

Wir bekommen also Geschenke wenn wir den Tag und den Monat feiern an dem wir geboren wurden. Und das machen wir jedes Jahr. Doch warum? Was ist daran so besonders, dass wir auf der Welt sind, das es wert ist, dies zu feiern, um Geschenke dafür zu bekommen?

Eigentlich müssten unsere Mütter dafür beschenkt werden, weil das Gebären eines Menschen angeblich das Schmerzvollste ist, was man erleben kann und woran man sich ein ganzes Leben lang erinnert. Wir hingegen können uns an unsere eigene Geburt nicht einmal erinnern. Wir wissen nur, dass wir es von klein auf toll fanden jedes Jahr von unserer Familie und Freunden gefeiert zu werden und Geschenke zu bekommen.

Was ist so toll daran auf der Welt zu sein?

Am Geburtstag feiern wir auch einfach nur, dass wir da sind und erhalten die besten Wünsche für ein weiteres tolles Lebensjahr. Doch das Leben wird den meisten von uns schon von Kindheit an schwer gemacht. Wir müssen uns im Konkurrenzkampf beweisen, zum Beispiel mit schulischen Noten. Immer müssen wir besser sein als die anderen Kinder und selbst nach der Schule geht es weiter. Leistungsdruck, Fleiß, besondere Fähigkeiten. Es macht keinen Unterschied ob Ausbildung oder Studium, wir müssen beweisen, dass wir „ökonomisch wertvoll“ sind.

Als Ausgleich zu unserem künstlich erschaffenen Kampf des Lebens feiern manche von uns – nicht nur unsere Geburtstage, und konsumieren. Wir konsumieren Nahrung, Mode, elektronische Geräte, Unterhaltung, Medikamente, Alkohol, Nikotin, oder andere Suchtmittel, auf emotionale Weise manchmal auch Menschen. Und das alles auf rücksichtslose oder zumindest unachtsame Art und Weise. Wir schaden mit unserem Lebensstil uns selbst, anderen Menschen, aber vor allem anderen Tieren und dem Planeten.

Zwischen den 1900ern und dem Jahr 2000 hat sich die Verzehrsmenge an Fleisch pro Person mehr als verdoppelt! (1) In der Werbung wird uns suggeriert, dass Fleisch und Milch essenziell und gesund seien und eine scheinbar fröhliche und unverletzte Milch-Kuh auf einer Wiese rumläuft. Uns wird so lange das falsche Bild von glücklichen und unversehrten Tieren eingetrichtert, bis wir daran glauben und uns sogar die Ausbeutung oder den Tod dieser Tiere damit rechtfertigen. Dieser Aberglaube, dass Tiere zu Tode gestreichelt werden sitzt fest in unseren Köpfen. Ich war schon mal in einem Schlachthof und für mich sah das eher nach einem Blutbad als nach Streicheln aus, bei dem die Tiere sehr unter Stress stehen, da alle Tiere in der Reihe mit ansehen müssen, wie das Tier vor ihnen abgeschlachtet wird. Doch kein Tier möchte freiwillig sterben, was alle fühlenden Wesen gemeinsam haben. Auch das scheinen nicht viele Menschen zu verstehen, denn Fleisch wächst ja bekanntlich im Supermarkt und nicht an Lebewesen.

In der Massentierhaltung werden Tiere nur für den Zweck gegessen zu werden, gezüchtet, gemästet und geschlachtet. Jedes Jahr sehen Millionen von Lebewesen ihr kurzes Leben lang kein Sonnenlicht, riechen keine frische Luft und müssen oft auf wenigen Quadratzentimetern Beton oder Metallstangen ihr Leben verbringen. Oft erkranken die Tiere schwer und haben Schmerzen, weil sie so eng beisammen sind und in ihren eigenen Exkrementen leben oder beim Transport zum Schlachthof sogar gestapelt und von gestressten, genervten Menschen misshandelt werden. Aufgrund der vielen Krankheiten und durch den hohen Einsatz von Antibiotika entwickeln sich auch antibiotikaresistente Keime, welche auch gefährlich für Menschen werden können. Für den Anbau von Tierfutter wird im Ausland Regenwald gerodet. Dadurch wird unter anderem enorm viel CO2 freigesetzt. Durch die Tierhaltung selbst kommen neben CO2 auch noch Methan und Lachgas dazu. Die Tierindustrie oder anders gesagt – der Verzehr von tierischen Lebensmitteln – ist für mehr Treibhausgase verantwortlich als der gesamte Verkehr zusammen (Flugzeuge, Schiffe, Lkws plus Pkws).

Wir Menschen ruinieren den Planeten durch unseren Konsum und unseren Lebensstil auch noch auf andere Arten und Weisen. Doch ich sehe, dass eine Ernährung durch tierische Lebensmittel, welche einen so hohen negativen Impact hat, eine der unnötigsten Möglichkeiten ist, sich selbst, Tieren und dem Planeten zu schaden. Daher habe ich mich dagegen entschieden, solch eine Existenz zu führen und habe grundlegende Dinge in meinem Leben geändert.

Warum ist es so wichtig den Vegantag zu feiern?

Anders als bei unserer Geburt ist ein veganer Lebensstil eine proaktive Entscheidung, die rein rational getroffen werden kann. Wir sind in ein System hinein geboren worden, das uns von Kindheit an dazu konditioniert destruktiv zu leben, was nicht nur unsere eigene Gesundheit oder sogar das Leben kosten könnte, sondern sogar das von vielen anderen Lebewesen. Aber ich kann jetzt mit gutem Gewissen sagen, dass ich sowas nicht mehr mache. Ich tue meiner Gesundheit, den Tieren und dem Planeten etwas Gutes mit der pflanzlichen Ernährung. Ich verursache kein unnötiges Leid geschweige denn Tod unter Tieren. JETZT feiere ich tatsächlich das Leben, indem ich den Vegantag feiere! Und das habe ich nun auch tatsächlich und ehrlich verdient. Und mein Vegantag ist ein Genuss! Ich schlemme, bis der Bauch weh tut und lasse es mir mal so richtig gut gehen.

Es kostet zwar sehr viel Zeit und Energie alles zu hinterfragen, zu verstehen wie alles funktioniert, Informationen zu sammeln und Zusammenhänge zu erkennen, aber es gibt für mich keinen Weg zurück. Einmal wissend, immer wissend. Die Wahrheit kann mich auch sprachlos machen, zum Weinen bringen und an der Menschheit zweifeln lassen. Daraus zu ermitteln was das objektiv Beste ist, ist manchmal schwierig und es gehört auch Intelligenz und Willenskraft dazu. Doch selbst das subjektiv Beste herauszufinden, kann schwierig sein, wenn man sich von ganzen Marketing-Abteilungen bezirzen lässt, anstatt sich mit der Wahrheit auseinander zu setzen, die oft hinter verschlossenen (Stall-)Türen stattfindet. Viele Menschen können die Wahrheit gar nicht ertragen. Sie sehen lieber weg und glauben an das was sie glauben möchten.

Für diejenigen unter euch, die mutig und auf der Suche nach der Wahrheit sind, kann ich Dokumentationen empfehlen wie Earthlings 2.0, Dominion oder Gabel statt Skalpell. Wenn ihr einen Schritt weiter gehen möchtet, könnt ihr auch tierische Produkte währenddessen essen, was auch ich gemacht habe als Versuch, eine Verbindung herzustellen zwischen der Tierindustrie und dem Fleisch, das man isst. Diese Verbindung fehlt ja oft!

Meine Ernährung ist seit 2017 überwiegend vollwertig und gesund. Seitdem fühle ich mich leichter, fitter, werde nach dem Essen nicht mehr so müde, bin nicht mehr so oft krank, etc. Heute weiß ich also, was wirklich gesund ist. Ich habe 2020 zudem ein Studium zum Veganen Ernährungsberater begonnen, da es mir wichtig ist, meine Botschaft zu verbreiten und ich dies auf Basis der Wissenschaft machen möchte.

Auch die Welt, auf der ich lebe, zerstöre ich nicht mehr mit aller Macht, denn meine Lebensmittel sind überwiegend aus biologischem Anbau, regional und saisonal. Die Herkunft und Herstellung aller Produkte, die ich konsumiere, hinterfrage ich stets, und sollte da auch nur ein einziger Prozess dabei sein, der destruktiv ist, dann wird diese Firma nicht mehr mit Geld unterstützt. Ein Kassenzettel ist der beste Wahlzettel, es kann Schlechtes schneller aus der Welt schaffen, als es die Politik jemals könnte.

Und wir werden immer mehr. Langsam verändert sich etwas. Und es wird auch immer leichter einen veganen Lebensstil zu pflegen. Und auch das feiere ich!